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DIN EN 50600‑2‑2VDE 0801‑600‑2‑2

Stromversorgung und -verteilung

Die DIN EN 50600‑2‑2 regelt, wie ein Rechenzentrum mit Strom versorgt und wie dieser Strom bis zu den Geräten verteilt wird. Sie übersetzt die aus Teil 1 in Anforderungen an Quellen, Pfade und Geräte und ordnet physische Sicherung und Messpunkte zu.

Gültige Ausgabe 2019‑08 · Überarbeitung in Arbeit

Worum es geht

Teil 2‑2 legt die Anforderungen an die Stromversorgung von und die Stromverteilung in Rechenzentren fest, dazu Potentialausgleich, Blitzschutz und die Messung von Stromverbrauch und Spannungsqualität. Grundlage sind die drei Klassifikationen aus DIN EN 50600‑1.

Die Norm beschreibt die Versorgung als Kette funktioneller Elemente von der Einspeisung bis zur Steckdose im Rack und richtet sich an Architekten, Gebäudeplaner, Errichter sowie System- und Installationsplaner. Nicht behandelt werden elektrische Sicherheit, elektromagnetische Verträglichkeit und die Auswahl von IT-Geräten (DIN EN 50600‑2‑2:2019, Einleitung und Abschnitt 1).

Kernanforderungen in eigenen Worten

  1. Versorgung und Verteilung werden getrennt klassifiziert.

    Die Stromversorgung reicht von den Quellen bis zur Primärverteilung, die Stromverteilung von dort bis zur Steckdose. Jedes Teilsystem muss für sich mindestens die Klasse erreichen, die nach Teil 1 für das Rechenzentrum gewählt wurde. Abschnitte 4, 5.1.2, 5.1.3 und 6.1.

  2. Quellen, Geräte, Pfade.

    Die Norm beschreibt die Versorgung als Kette aus Quellen (Primär-, Sekundär- und zusätzliche Versorgung), Geräten (Schaltanlagen, Verteilungen, USV) und Pfaden. Die Minimalausführung besteht aus einer Quelle und einem Pfad. Abschnitte 5.1.1 bis 5.1.3.

  3. Eine Sekundärversorgung ist nur, was wirklich unabhängig ist.

    Eine zweite Leitung zu einem eigenen Transformator aus demselben Netz gilt ausdrücklich nicht als Sekundärversorgung. Die zusätzliche Versorgung, typisch eine Netzersatzanlage, muss Primär- und Sekundärversorgung vollständig ersetzen können. Abschnitte 3.1.27 und 5.1.2.

  4. Vier Steckdosentypen statt einer Pauschale.

    Die Norm unterscheidet allgemeinstromversorgte, unterbrechungsfrei ersatzstromversorgte, lokal unterbrechungsfrei ersatzstromversorgte und kurzzeitunterbrochene ersatzstromversorgte Steckdosen. Die Verfügbarkeitsklassen gelten nur für die unterbrechungsfrei ersatzstromversorgten. Abschnitte 5.1.3 und 6.3.4.1.

  5. Klassen beschreiben Funktionen, keine Redundanzgrade.

    Maßgeblich ist, welcher Fehler und welche Instandhaltung ohne Lastabschaltung überstanden werden müssen, vom Einzelpfad mit einer Quelle bis zu mehreren fehlertoleranten Pfaden. Ob das mit N+1 oder 2N erreicht wird, entscheidet die Planung. Abschnitte 6.2.6.1 und 6.3.4.1.

  6. Höhere Klassen verlangen räumliche Trennung.

    Ab Klasse 3 wird die Einspeisung verdoppelt und über getrennte Trassen geführt. In Klasse 4 speist jeder Pfad eigene Schaltanlagen, und Verteilungen und USV jedes Pfades liegen in eigenen Brandabschnitten. Abschnitte 6.2.1.3, 6.2.6.5 und 6.3.4.5.

Aus der Seminarpraxis: zwei Missverständnisse

„Verfügbarkeitsklasse 3 heißt N+1, Klasse 4 heißt 2N.“

Die Norm verlangt keine bestimmten Redundanzgrade, sondern beschreibt, welcher Fehler ohne Funktionsverlust bleiben muss und ob Instandhaltung ohne Lastabschaltung möglich sein muss. In Projekten begegnet uns häufig, dass ein Redundanzkürzel aus dem Angebot als Klassennachweis gelesen wird. Der Nachweis führt über die Funktion je Teilsystem (Abschnitte 6.2.6.1, 6.3.4.1).

„Hat die Versorgung Klasse 4, ist die Verteilung automatisch Klasse 4.“

Beide Teilsysteme werden getrennt klassifiziert, und die Klasse der Versorgung stellt keine Anforderung an die Klasse der Verteilung. Jedes muss einzeln die Klasse erreichen, die das Rechenzentrum nach Teil 1 fordert. Wer nur die Einspeisung betrachtet, übersieht die Verteilung bis zum Rack (Abschnitte 4, 6.1, 6.2.6.1).

Wo Teil 2‑2 im Projekt greift

  • Planung

    Aus der Klasse folgt die Struktur der Kette: Zahl der Quellen, Trassenführung, Brandabschnitte und eine Bemessung, die Wachstum, Klimatisierung und das Teillastverhalten der Netzersatzanlage einschließt (Abschnitte 6.2.1.1, 6.3.1.1).

  • Ausschreibung

    Die Leistungsbeschreibung nennt Klasse je Teilsystem, Steckdosentypen und statt Redundanzkürzel. So bleibt die Technik offen und das Ergebnis prüfbar.

  • Abnahme und Betrieb

    Netzausfall, Generatorbetrieb und Ausfall einzelner Pfade werden in allen redundanten Kombinationen unter Last geprüft. Im Betrieb zeigen die Messpunkte, wie nah der Bedarf an der verfügbaren Leistung liegt (Abschnitte 6.1, 8.1).

Das schützt Sie vor der Feststellung im Audit, dass zwei Einspeisungen aus demselben Netz keine Sekundärversorgung sind. Es erspart Ihnen Nachforderungen in der Abnahme, wenn Klasse, Steckdosentypen und Messkonzept von Anfang an in der Leistungsbeschreibung stehen.

Stand und Revision

Gültige Ausgabe

DIN EN 50600‑2‑2:2019‑08, deutsche Fassung der EN 50600‑2‑2:2019; ersetzt die Ausgabe 2014.

International

ISO/IEC 22237‑3:2021.

Revision
Entwurf, keine gültige Norm

Edition 3 in Erarbeitung. 50600-2‑2:2026 liegt seit Januar 2026 als Umfrageentwurf vor, die nationale Kommentierung wurde im März 2026 abgeschlossen, Ratifizierung und Übernahme als DIN EN sind offen. Bis dahin gilt 2019. Gremium , national DKE/GK 719.

Stand geprüft

DIN EN 50600‑2‑2

Häufige Fragen

Die Stromversorgung von und die Stromverteilung in Rechenzentren, dazu Potentialausgleich, Blitzschutz und die Messpunkte für Energieverbrauch und Spannungsqualität. Grundlage sind die Klassifikationen aus DIN EN 50600‑1 (Abschnitt 1).

Vier, von einem Einzelpfad mit einer Quelle bis zu mehreren Pfaden mit mehreren Quellen. Die Klasse wird über die Funktion beschrieben, nicht über Redundanzgrade wie N+1 oder 2N (Abschnitt 6.2.6.1).

Die Sekundärversorgung ist eine von der Primärversorgung unabhängige Netzversorgung, die jederzeit verfügbar ist. Die zusätzliche Versorgung, meist eine Netzersatzanlage, springt ein, wenn beide ausfallen (Abschnitte 3.1.27, 5.1.2).

Nein. Die USV muss Schäden begrenzen, bis eine alternative Versorgung übernimmt; das Niveau ergibt sich aus der Analyse nach DIN EN 50600‑1 (Abschnitt 6.3.4.4).

Ja, eine dritte Ausgabe ist in Erarbeitung. Der Entwurf prEN 50600‑2‑2:2026 wurde im Januar 2026 zur europäischen Umfrage vorgelegt. Bis zur Veröffentlichung gilt die Ausgabe 2019 unverändert.

  • DIN EN 50600‑2‑2:2019‑08, Europäisches Vorwort, Einleitung, Abschnitte 1, 3.1, 4, 5.1.1 bis 5.1.3, 6.1, 6.2.1.1, 6.2.1.3, 6.2.6.1, 6.2.6.5, 6.3.1.1, 6.3.4.1, 6.3.4.4, 6.3.4.5, 8.1
  • ISO/IEC 22237‑3:2021
  • prEN 50600‑2‑2:2026 (Umfrageentwurf, CLC/TC 215, Januar 2026); nationale Kommentierung des DKE/GK 719 bis März 2026. Gremienstände, keine gültige Norm.
  • Seminarpraxis der DCE academy: Planen und Realisieren eines Rechenzentrums (Durchführung November 2025), Rechenzentrum – Allgemeine Grundlagen (Durchführung April 2026), Deep Dive – Energieversorgung & Klimatisierung (Durchführung Dezember 2025)

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