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DIN CLC/TS 50600‑4‑31VDE V 0801-600-4‑31

Leistungskennzahlen für Resilienz (Vornorm)

Die DIN CLC/TS 50600‑4‑31 definiert Leistungskennzahlen für die der Rechenzentrumsinfrastruktur: Zuverlässigkeit, Fehlertoleranz und Verfügbarkeitstoleranz der Stromversorgung und der Regelung der Umgebungsbedingungen. Sie ergänzt die Verfügbarkeitsklassen der DIN EN 50600‑1 um Zahlen, mit denen sich Auslegungen vergleichen und Dienstleistungsvereinbarungen prüfen lassen.

Gültige Ausgabe 2025‑02

Worum es geht

Die Vornorm führt quantitative Kennzahlen ein, mit denen sich Auslegungen bewerten, Varianten vergleichen und Dienstleistungsvereinbarungen (SLA) validieren lassen. Sie behandelt die Infrastruktur für Stromversorgung und -verteilung sowie für die Regelung der Umgebungsbedingungen und kann auf weitere Infrastrukturen wie die Telekommunikationsverkabelung übertragen werden.

Sie legt Messung und Berechnung der Metriken und der Resilienzniveaus fest und beschreibt, in welchen Phasen des Auslegungsprozesses die Kennzahlen greifen. Nicht erfasst sind IT-Einrichtungen, Cloud-Dienste, Software und Geschäftsanwendungen; Grenz- oder Zielwerte legt sie nicht fest (DIN CLC/TS 50600‑4‑31:2025, Einleitung, Abschnitt 1).

Kernanforderungen in eigenen Worten

  1. Drei Kategorien: Zuverlässigkeit, Fehlertoleranz, Verfügbarkeitstoleranz.

    Zuverlässigkeit umfasst Funktionsfähigkeit, Verfügbarkeit und Fehlerrate, jeweils gemessen (zurückliegend), aus Auslegungsdaten berechnet (inhärent) oder unter realen Bedingungen ermittelt (betrieblich). Fehlertoleranz zählt einzelne und doppelte Fehlerpunkte (SPoF, DPoF), Verfügbarkeitstoleranz die Punkte reduzierter Verfügbarkeit (SPoRA, DPoRA). Abschnitte 6.2 und 6.3.

  2. Jede Kennzahl gilt für einen Arbeitspunkt.

    Der (OP), etwa eine Steckdose oder Gestellreihe, ist der Ort, an dem Stromversorgung und Kühlung gemeinsam die Dienstleistung erbringen müssen; er wird nach der Risikoanalyse gewählt. Beim Berichten sind Arbeitspunkt und angenommene Last stets anzugeben. Abschnitte 4.2 und 6.2.2.

  3. Metriken der Komponenten sind die Ausgangsdaten.

    Mittlere Betriebszeit zwischen Fehlern (MTBF), Dauer bis zur Wiederherstellung (MTTR), Zeit zwischen Instandhaltungen (MTBM) und Unklardauer (MDT) fließen in die Berechnung ein. Genormte Zuverlässigkeitsdaten sind zu bevorzugen und im Betrieb mit eigenen Daten abzugleichen. Abschnitte 6.2.4 und 6.7.2.

  4. Das Resilienzniveau macht Zielvorgaben vergleichbar.

    Ein normales Resilienzniveau (NRL) besteht aus vier Zahlen: zulässige Fehlerpunkte, Berichtszeitraum, akzeptierte Fehlzustände und akzeptierte Unklardauer je Ereignis; daraus folgt die betriebliche Verfügbarkeit. Für geplante Instandhaltung soll ein reduziertes Resilienzniveau (RRL) definiert werden. Abschnitt 6.6.

  5. Die Kennzahlen begleiten den Auslegungsprozess nach DIN EN 50600‑1.

    Von der Strategie über Zielvorgaben, Auslegungsvergleich und Freigabe bis zu Werksabnahme, Inbetriebnahmeprüfungen mit Fehlersimulation und Betrieb benennt die Vornorm je Phase, was zu entscheiden oder zu bestätigen ist. Abschnitt 5.1.

  6. Im Betrieb wird dokumentiert und neu gerechnet.

    Resilienzmodell, Arbeitspunkte mit Lastannahmen, Metriken, Fehlerpunkte und Berechnungsmethode sind bereitzustellen, Ursache und Dauer jeder Verletzung des Resilienzniveaus festzuhalten. Nach strukturellen Änderungen sind Modell und Kennzahlen zu überprüfen. Abschnitte 5.2 bis 5.6.

Aus der Seminarpraxis: zwei Missverständnisse

„Fünf Neunen sagen, wie verfügbar das Rechenzentrum ist.“

Aus der Seminarpraxis: Eine Prozentzahl lässt offen, ob die zulässige Ausfallzeit an einem Stück oder in zehn kurzen Unterbrechungen anfällt, und jede Unterbrechung kostet die IT einen Neustart. Die Vornorm legt im Resilienzniveau Anzahl der Fehlzustände und Unklardauer je Ereignis getrennt fest, bezogen auf einen Arbeitspunkt (Abschnitt 6.6.1).

„Verfügbarkeitsklasse 3 ist fehlertolerant.“

In Projekten begegnet uns häufig die Annahme, mehrere Pfade für die Instandhaltung im laufenden Betrieb schlössen einen Ausfall aus. Die Klasse beschreibt die Auslegung; Anzahl der einzelnen Fehlerpunkte und betriebliche Verfügbarkeit sind eigene Kennzahlen, und die Beispiele der Vornorm zeigen Auslegungen der Klasse 3 mit einzelnen Fehlerpunkten (Abschnitt 6.6.2).

Wo Teil 4‑31 im Projekt greift

  • Planung

    Varianten als Zuverlässigkeitsblockdiagramm modellieren und über die Anzahl der Fehlerpunkte und die berechnete Verfügbarkeit vergleichen, bevor die Auslegung freigegeben wird (Abschnitte 5.1.5, 6.7.3, Anhang C).

  • Dienstleistungsvereinbarung

    Ein Resilienzniveau statt einer Prozentzahl vereinbaren: Berichtszeitraum, zulässige Ereignisse und Unklardauer je Ereignis am definierten Arbeitspunkt, dazu ein reduziertes Niveau für Instandhaltungsfenster (Abschnitte 5.1.3, 6.6).

  • Abnahme und Betrieb

    Fehlersimulationen bei den Inbetriebnahmeprüfungen, laufende Dokumentation von Metriken und Fehlerursachen, Neuberechnung nach Umbauten (Abschnitte 5.1.8, 5.1.9, 5.2).

Das schützt Sie vor einer Vereinbarung, deren Prozentwert im Streitfall niemand auf die Anlage zurückführen kann (Abschnitt 6.6.1).

Stand und Revision

Gültige Ausgabe

DIN CLC/TS 50600‑4‑31 (VDE V 0801-600-4‑31):2025‑02, deutsche Fassung der CLC/TS 50600‑4‑31:2024; Vornorm ohne vorausgehenden Entwurf.

International

ISO/IEC TS 22237-31. Die Vornorm basiert laut Europäischem Vorwort auf der Ausgabe 2023, ist mit ihr aber nicht identisch; seit Februar 2026 liegt die zweite Ausgabe vor (ISO-Katalog, Stand 17. September 2026).

Revision

keine laufende Revision bekannt. Gremium CLC/TC 215, national DKE/GK 719.

Stand geprüft

DIN CLC/TS 50600‑4‑31

Häufige Fragen

Nein. Eine Technische Spezifikation ist das Ergebnis von Normungsarbeit, das wegen Vorbehalten zum Inhalt oder wegen des Verfahrens noch nicht als Norm erscheint; VDE-Vornormen sind nicht Bestandteil des Deutschen Normenwerks, und Anwendungserfahrungen sind ausdrücklich erbeten (Nationales Vorwort). Verbindlich wird sie, wie die Normen der Reihe, über Verträge, Leistungsbeschreibungen und Kriterienkataloge.

Ein SPoF ist ein Element, dessen Fehler das Gesamtsystem am Arbeitspunkt ausfallen lässt; ein SPoRA ist ein Element, dessen Fehler die geforderte betriebliche Verfügbarkeit verletzt, ohne dass alles ausfällt (Abschnitte 3.1, 6.4, 6.5).

Nein, sie ergänzt sie. Die Vornorm ordnet ihre Beispiele für Resilienzniveaus den Verfügbarkeitsklassen zu, weil eine einzelne Kennzahl wie die Verfügbarkeit die Komplexität einer Infrastruktur nicht abbildet (Einleitung, Abschnitt 6.6.2).

Keine einzelne. Die Vornorm beschreibt Zuverlässigkeitsblockdiagramme nach EN 61078 als anwendbar und nennt FMECA, Fehlerbaum, Markoff-Verfahren und Petrinetze; für Vergleiche müssen Verfahren und Zuverlässigkeitsdaten gleichwertig sein (Abschnitt 6.7).

Nein. Sie gilt für die Infrastruktur der Stromversorgung und der Umgebungsregelung und kann auf die Telekommunikationsverkabelung übertragen werden; IT-Einrichtungen, Cloud-Dienste, Software und Geschäftsanwendungen sind ausgenommen (Abschnitt 1).

  • DIN CLC/TS 50600‑4‑31 (VDE V 0801-600-4‑31):2025‑02, Nationales und Europäisches Vorwort, Einleitung, Abschnitte 1, 3.1, 4.2, 5.1 bis 5.6, 6.2 bis 6.7, Anhang A bis E
  • ISO/IEC TS 22237-31:2026, ISO-Katalog (Stand 17. September 2026)
  • DIN EN 50600‑1:2019, Auslegungsprozess und Verfügbarkeitsklassen
  • Seminarpraxis der DCE academy: Rechenzentrum – Allgemeine Grundlagen (Durchführung April 2026), Planen und Realisieren eines Rechenzentrums (Durchführung November 2025), Data Center Operations – Professional (Seminarunterlage März 2026)

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